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Maurische
Landschildkröte
Testudo
graeca (Linnaeus, 1758)

Die
Maurische Landschildkröte weist das größte
Verbreitungsgebiet unter den paläarktischen
Landschildkröten (Testudo spec.) auf. In
Nordafrika, Europa und Asien bewohnt sie die unterschiedlichsten
Lebensräume. Eine große Variabilität
zeigt sich jedoch auch am äußeren Erscheinungsbild,
was die steigende Popularität unter den Landschildkrötenfreunden
erklärt.
"Graeca"
ist lateinisch und bedeutet übersetzt "griechisch"
was häufig zu Verwechslungen mit der Griechischen
Landschildkröte führt. In diesem Falle hat
die Bezeichnung jedoch nicht direkt etwas mit der Herkunft
zu tun, sondern wurde vom Erstbeschreiber aufgrund der
Färbung gewählt.
Inhaltsverzeichnis
- Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
- Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
- Rückenpanzer (Carapax)
- Bauchpanzer (Plastron)
- Kopf (Caput)
- Vordergliedmaßen
- Hintergliedmaßen
- Schwanz (Cauda)
- Jungtiere
- Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
- Weibchen
- Männchen
- Statistik/Wissenswertes
- Allgemeines
- Fortpflanzung
- Winterstarre (Hibernation)
1.
Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)
 |
Klasse: |
Reptilia
(Reptilien) |
| Ordnung: |
Testudines
(Schildkröten) |
| Unterordnung: |
Cryptodira
(Halsberger) |
| Familie: |
Testudinidae
(Landschildkröten) |
| Gattung: |
Testudo
(Paläarktische Landschildkröten) |
| Art: |
Graeca
(Maurische Landschildkröte) |
|
2.
Erscheinungsform / Merkmale der Art
(Habitus)
| Ich
beschränke mich bei meiner Beschreibung auf
die Eurasische Landschildkröte (Testudo
graeca ibera), da diese Unterart in Deutschland
am häufigsten in menschlicher Obhut anzutreffen
ist. |
2.1.
Rückenpanzer (Carapax)


Der
Rückenpanzer (Carapax) der Maurischen Landschildkröten
ist meist stark gewölbt und weist seitlich gesehen
eine semiovale Form auf.

Im
Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes
(Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Die
trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia)
sind deutlich seitwärts (lateral) verbreitert.

Die
hinteren Randschilde (Marginalia) sind in der
Regel ausladend und bei männlichen Exemplaren oft
gezahnt.

Das
Schwanzschild (Supracaudale) ist stets ungeteilt.

Die
Grundfärbung ist von der Unterart abhängig
und variiert selbst dort noch stark. Sie kann Farben
in Hellgrau, Sand, Ocker, Korngelb, Olivgelb, Hellbraun
und Hellgrau enthalten.
Auf den einzelnen Hornschilden befinden sich Zeichnungen
in dunkelbraun bis schwarz. Bei sehr alten Exemplaren
können die Zeichnungen die gesamte Fläche
einnehmen und das Tier somit fast einfarbig dunkel färben.

Einige
Exemplare ähneln stark der Griechischen Landschildkröte
(Testudo hermanni), andere eher der Breitrandschildkröte
(Testudo marginata), so auch dieses Jungtier.
Die
Rippenschilde (Costalia) sowie die Wirbelschilde
(Vertebralia) sind in einem nach hinten gerichteten
Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der Schwerpunkt
der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen Bereich
der Schilde. Bei den Costale ist außerdem
auffallend, dass das Muster
in den meisten Fällen strahlenartig in Richtung
Schildmittelpunkt verläuft.
2.2.
Bauchpanzer (Plastron)

Gepunktete
und zerrissene Muster in braun, grau oder schwarz zeichnen
den Bauchpanzer (Plastron) der Maurischen Landschildkröte
aus. Die Zeichnungen variieren sehr stark - so sind
Exemplare bekannt, die einen vollständig grundfarbenen
Plastron aufweisen, bei anderen ist er hingegen fast
gänzlich mit Zeichnungen versehen.

Im
vorderen (kranialen) Bereich des Plastrons ist
eine deutliche Verdickung zu erkennen.
Der
hintere Bauchpanzerlappen ist ab den Schenkelschilden
(Femoralia) mit einem schwach beweglichen Scharnier
ausgestattet, welches besonders bei weiblichen Exemplaren
erkennbar ist.

Auf
jeder Seite befinden sich ein schmales Axelschild (Axillare)
...

...
und ein Hüftschild (Inguinale).
2.3.
Kopf (Caput)

Der Kopf der Maurischen Landschildkröten weist
von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche
Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Die
Färbung ist entweder relativ eintönig dunkel
(meist schwarz) oder es sind Töne in beige-braun
bis sandgelb eingelagert.
2.4.
Vordergliedmaßen

Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet
und mit mittelgroßen bis großen Hornschuppen
versehen.
Die
Hornschuppen enthalten in der Regel die gleichen Färbungen
wie die, des Panzers. Auch hier konzentriert sich die
Färbung bei alten Exemplaren auf dunkle Farben,
meist schwarz.
Testudo
graeca besitzt an den Vordergliedmaßen fünf
Krallen.
2.5.
Hintergliedmaßen
Wie
bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln
auch die Hintergliedmaßen der Maurischen Landschildkröte
anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen
der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig
(subtil).
Mit
Hilfe der Hintergliedmaßen sind die weiblichen
Tiere in der Lage, die Eigrube auszuheben und anschließend
die abgesetzten Eier mit viel Feingefühl exakt
zu positionieren. Nach Beendigung der Ablage wird die
Eigrube wieder sorgfältig verschlossen.

Die
Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen
bis großen, teils nach unten abstehenden Schuppen
versehen.

Seitlich
(lateral) des kurzen Schwanzes befinden sich
die für Testudo graeca typischen Hornkegel
(Hornwarzen).
An
den Hintergliedmaßen besitzt die Maurische Landschildkröte
vier Krallen.
2.6.
Schwanz (Cauda)

Der
Schwanz ist kurz und ein Schwanzendnagel ist nicht vorhanden.
2.7.
Jungtiere

Jungtiere
der Maurischen Landschildkröte sind im Vergleich
zu adulten Exemplaren deutlich kontrastreicher gefärbt.
3.
Unterscheidung der Geschlechter
(Sexualdimorphismus)
3.1.
Weibchen

Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)

Insgesamt deutlich größer, von oben gesehen:
eher gleichmäßige Breite

Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie
lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah
(proximal) und kreisrund
3.2.
Männchen

Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer
(Plastron)

Insgesamt deutlich kleiner; die Randschilde (Marginalia)
sind oft gezahnt und ausladend

Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler;
längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern
(distal) und schlitzförmig
4.
Statistik/Wissenswertes
4.1.
Allgemeines
WA-Status:
Washingtoner
Artenschutz-übereinkommen |
Anhang II (durch den internationalen Handel
stark gefährdete Arten)
|
EU-Anhang:
EG-Verordnung
338/97 |
Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)
|
Terra
typica:
Fundort
des Exemplars, welches der Erstbeschreibung diente. |
Testudo graeca cyrenaica: Derna 32°46'N,
22°39'E (Darnah, Cyrenaika, Ostlibyen)
Testudo graeca marokkensis: Tarmilete, 33°
23' N, 06° 04' W, Nordwestmarokko
Testudo graeca graeca: Oran, Algerien
Testudo graeca soussensis: Umgebung von Agadir,
30°28'N, 9°55'W, Sousstal, Südwestmarokko
Testudo graeca nabeulensis: Nabeul, Tunesien
|
Holotypus:
Einzelnes Exemplar, auf dem die Beschreibung
der Art basiert. |
Testudo graeca cyrenaica: Museum für
Tierkunde, Dresden, MTKD 31880
Testudo graeca marokkensis: Staatliches Museum
für Naturkunde, Stuttgart, SMNS 7602
Testudo graeca soussensis: Museum für Tierkunde,
Dresden, MTKD 33842
|
| Namensherkunft: |
Testudo graeca ibera: Antike Bezeichnung des
Kura-Tales in Georgien
Testudo graeca zarudnyi: Name des Herpetologen
Nikolai Alekseevich Zarudny (18591959)
Testudo graeca cyrenaica: Region "Cyrenaika"
im nordöstlichen Libyen
Testudo graeca marokkensis: Verbreitungsgebiet
Marokko
Testudo graeca soussensis: Verbreitungsgebiet
im südmarokkanischen Sousstal
Testudo graeca nabeulensis: in Beziehung zur Terra
typica
|
| Ernährung: |
pflanzlich (herbivor)
|
| Lebenserwartung: |
ca. 60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)
|
| Habitat: |
Dünenlandschaften, Macchia, Steppengebiete,
Halbwüsten
|
| Temperatur
(max.): |
40° C
|
| Temperatur
(min.): |
4° C
|
4.2.
Fortpflanzung
| Hauptpaarungszeit: |
Frühling (Februar-April)
|
| Gelegeanzahl: |
1-3 pro Jahr
|
| Gelegegröße: |
2-6 Eier pro Gelege
|
| Dauer
der Eiablage: |
insg. 60-90 min
|
| Form
der Eier: |
rund bis leicht oval
|
| Größe
der Eier: |
41-53 mm
|
| Gewicht
der Eier: |
16-21 g
|
| Inkubationsdauer: |
54-66 Tage (künstlich) bzw. 80-100 Tage
(natürlich)
|
4.2.
Winterstarre (Hibernation)
| Temperatur: |
5-6° C
|
| Dauer: |
3-4 Monate (je nach Herkunft)
|
| Wichtiger
Hinweis: |
Einige Unterarten halten
keine Winterstarre, für diese Arten können
solch niedrige Temperaturen lebensgefährlich
werden! |
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