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Stand: 25.06.2009

Maurische Landschildkröte
Testudo graeca (Linnaeus, 1758)

Die Maurische Landschildkröte weist das größte Verbreitungsgebiet unter den paläarktischen Landschildkröten (Testudo spec.) auf. In Nordafrika, Europa und Asien bewohnt sie die unterschiedlichsten Lebensräume. Eine große Variabilität zeigt sich jedoch auch am äußeren Erscheinungsbild, was die steigende Popularität unter den Landschildkrötenfreunden erklärt.

"Graeca" ist lateinisch und bedeutet übersetzt "griechisch" was häufig zu Verwechslungen mit der Griechischen Landschildkröte führt. In diesem Falle hat die Bezeichnung jedoch nicht direkt etwas mit der Herkunft zu tun, sondern wurde vom Erstbeschreiber aufgrund der Färbung gewählt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
  2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
    1. Rückenpanzer (Carapax)
    2. Bauchpanzer (Plastron)
    3. Kopf (Caput)
    4. Vordergliedmaßen
    5. Hintergliedmaßen
    6. Schwanz (Cauda)
    7. Jungtiere
  3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
    1. Weibchen
    2. Männchen
  4. Statistik/Wissenswertes
    1. Allgemeines
    2. Fortpflanzung
    3. Winterstarre (Hibernation)

1. Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)

Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Testudines (Schildkröten)
Unterordnung: Cryptodira (Halsberger)
Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
Gattung: Testudo (Paläarktische Landschildkröten)
Art: Graeca (Maurische Landschildkröte)

2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)

Ich beschränke mich bei meiner Beschreibung auf die Eurasische Landschildkröte (Testudo graeca ibera), da diese Unterart in Deutschland am häufigsten in menschlicher Obhut anzutreffen ist.

2.1. Rückenpanzer (Carapax)

Der Rückenpanzer (Carapax) der Maurischen Landschildkröten ist meist stark gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale Form auf.

Im Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes (Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Die trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia) sind deutlich seitwärts (lateral) verbreitert.

Die hinteren Randschilde (Marginalia) sind in der Regel ausladend und bei männlichen Exemplaren oft gezahnt.

Das Schwanzschild (Supracaudale) ist stets ungeteilt.

Die Grundfärbung ist von der Unterart abhängig und variiert selbst dort noch stark. Sie kann Farben in Hellgrau, Sand, Ocker, Korngelb, Olivgelb, Hellbraun und Hellgrau enthalten.

Auf den einzelnen Hornschilden befinden sich Zeichnungen in dunkelbraun bis schwarz. Bei sehr alten Exemplaren können die Zeichnungen die gesamte Fläche einnehmen und das Tier somit fast einfarbig dunkel färben.

Einige Exemplare ähneln stark der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni), andere eher der Breitrandschildkröte (Testudo marginata), so auch dieses Jungtier.

Die Rippenschilde (Costalia) sowie die Wirbelschilde (Vertebralia) sind in einem nach hinten gerichteten Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen Bereich der Schilde. Bei den Costale ist außerdem auffallend, dass das Muster in den meisten Fällen strahlenartig in Richtung Schildmittelpunkt verläuft.

2.2. Bauchpanzer (Plastron)

Gepunktete und zerrissene Muster in braun, grau oder schwarz zeichnen den Bauchpanzer (Plastron) der Maurischen Landschildkröte aus. Die Zeichnungen variieren sehr stark - so sind Exemplare bekannt, die einen vollständig grundfarbenen Plastron aufweisen, bei anderen ist er hingegen fast gänzlich mit Zeichnungen versehen.

Im vorderen (kranialen) Bereich des Plastrons ist eine deutliche Verdickung zu erkennen.

Der hintere Bauchpanzerlappen ist ab den Schenkelschilden (Femoralia) mit einem schwach beweglichen Scharnier ausgestattet, welches besonders bei weiblichen Exemplaren erkennbar ist.

Auf jeder Seite befinden sich ein schmales Axelschild (Axillare) ...

... und ein Hüftschild (Inguinale).

2.3. Kopf (Caput)

Der Kopf der Maurischen Landschildkröten weist von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Die Färbung ist entweder relativ eintönig dunkel (meist schwarz) oder es sind Töne in beige-braun bis sandgelb eingelagert.

2.4. Vordergliedmaßen



Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet und mit mittelgroßen bis großen Hornschuppen versehen.

Die Hornschuppen enthalten in der Regel die gleichen Färbungen wie die, des Panzers. Auch hier konzentriert sich die Färbung bei alten Exemplaren auf dunkle Farben, meist schwarz.

Testudo graeca besitzt an den Vordergliedmaßen fünf Krallen.

2.5. Hintergliedmaßen

Wie bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln auch die Hintergliedmaßen der Maurischen Landschildkröte anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig (subtil).

Mit Hilfe der Hintergliedmaßen sind die weiblichen Tiere in der Lage, die Eigrube auszuheben und anschließend die abgesetzten Eier mit viel Feingefühl exakt zu positionieren. Nach Beendigung der Ablage wird die Eigrube wieder sorgfältig verschlossen.

Die Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen bis großen, teils nach unten abstehenden Schuppen versehen.

Seitlich (lateral) des kurzen Schwanzes befinden sich die für Testudo graeca typischen Hornkegel (Hornwarzen).

An den Hintergliedmaßen besitzt die Maurische Landschildkröte vier Krallen.

2.6. Schwanz (Cauda)

Der Schwanz ist kurz und ein Schwanzendnagel ist nicht vorhanden.

2.7. Jungtiere

Jungtiere der Maurischen Landschildkröte sind im Vergleich zu adulten Exemplaren deutlich kontrastreicher gefärbt.

3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)

3.1. Weibchen


Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)


Insgesamt deutlich größer, von oben gesehen: eher gleichmäßige Breite


Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah (proximal) und kreisrund

3.2. Männchen


Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)


Insgesamt deutlich kleiner; die Randschilde (Marginalia) sind oft gezahnt und ausladend


Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler; längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern (distal) und schlitzförmig

4. Statistik/Wissenswertes

4.1. Allgemeines

WA-Status:
Washingtoner Artenschutz-übereinkommen

Anhang II (durch den internationalen Handel stark gefährdete Arten)

EU-Anhang:
EG-Verordnung 338/97

Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)

Terra typica:
Fundort des Exemplars, welches der Erstbeschreibung diente.

Testudo graeca cyrenaica: Derna 32°46'N, 22°39'E (Darnah, Cyrenaika, Ostlibyen)
Testudo graeca marokkensis: Tarmilete, 33° 23' N, 06° 04' W, Nordwestmarokko
Testudo graeca graeca: Oran, Algerien
Testudo graeca soussensis: Umgebung von Agadir, 30°28'N, 9°55'W, Sousstal, Südwestmarokko
Testudo graeca nabeulensis: Nabeul, Tunesien

Holotypus:
Einzelnes Exemplar, auf dem die Beschreibung der Art basiert.

Testudo graeca cyrenaica: Museum für Tierkunde, Dresden, MTKD 31880
Testudo graeca marokkensis: Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart, SMNS 7602
Testudo graeca soussensis: Museum für Tierkunde, Dresden, MTKD 33842

Namensherkunft:

Testudo graeca ibera: Antike Bezeichnung des Kura-Tales in Georgien
Testudo graeca zarudnyi: Name des Herpetologen Nikolai Alekseevich Zarudny (1859–1959)
Testudo graeca cyrenaica: Region "Cyrenaika" im nordöstlichen Libyen
Testudo graeca marokkensis: Verbreitungsgebiet Marokko
Testudo graeca soussensis: Verbreitungsgebiet im südmarokkanischen Sousstal
Testudo graeca nabeulensis: in Beziehung zur Terra typica

Ernährung:

pflanzlich (herbivor)

Lebenserwartung:

ca. 60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)

Habitat:

Dünenlandschaften, Macchia, Steppengebiete, Halbwüsten

Temperatur (max.):

40° C

Temperatur (min.):

4° C

4.2. Fortpflanzung

Hauptpaarungszeit:

Frühling (Februar-April)

Gelegeanzahl:

1-3 pro Jahr

Gelegegröße:

2-6 Eier pro Gelege

Dauer der Eiablage:

insg. 60-90 min

Form der Eier:

rund bis leicht oval

Größe der Eier:

41-53 mm

Gewicht der Eier:

16-21 g

Inkubationsdauer:

54-66 Tage (künstlich) bzw. 80-100 Tage (natürlich)

4.2. Winterstarre (Hibernation)

Temperatur:

5-6° C

Dauer:

3-4 Monate (je nach Herkunft)

Wichtiger Hinweis: Einige Unterarten halten keine Winterstarre, für diese Arten können solch niedrige Temperaturen lebensgefährlich werden!


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