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Stand: 07.06.2009

Dalmatinische Landschildkröte
Testudo hercegovinensis (Werner, 1899)


Copyright © Foto: Sabine & Thomas Vinke

Die Dalmatinische Landschildkröte ähnelt stark ihrer griechischen Verwandten. Das relativ isolierte Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf einen schmalen Streifen entlang der Adriaküste innerhalb von Kroatien, Dalmatien und Montenegro. Testudo hercegovinensis kann eine Größe von rund 17 cm erreichen und zählt eher zu den kleineren Arten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
  2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
    1. Rückenpanzer (Carapax)
    2. Bauchpanzer (Plastron)
    3. Kopf (Caput)
    4. Vordergliedmaßen
    5. Hintergliedmaßen
    6. Schwanz (Cauda)
    7. Jungtiere
  3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
    1. Weibchen
    2. Männchen
  4. Statistik/Wissenswertes
    1. Allgemeines
    2. Fortpflanzung
    3. Winterstarre (Hibernation)
1. Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)

Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Testudines (Schildkröten)
Unterordnung: Cryptodira (Halsberger)
Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
Gattung: Testudo (Paläarktische Landschildkröten)
Art: Hercegovinensis (Dalmatinische Landschildkröte)

2. Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)

2.1. Rückenpanzer (Carapax)


Copyright © Foto: Bastian Esser

Der Rückenpanzer (Carapax) der Dalmatinischen Landschildkröte ist mäßigstark bis hoch gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale Form auf.

Im Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes (Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Die trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia) sind mit Ausnahme des fünften Schildes etwa genauso breit wie lang.

Das fünfte bzw. letzte Wirbelschild (Vertebrale) ist länger ausgebildet als die restlichen Wirbelschilde und mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Schlüssellochzeichnung versehen.

Das Schwanzschild (Supracaudale) ist in den meisten Fällen vertikal geteilt.

Die Grundfärbung der Dalmatinischen Landschildkröte ist mit der Färbung der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) vergleichbar, jedoch geht sie bei Testudo hercegovinensis eher ins olivfarbene. Die Formen und der Kontrast der Zeichnungen erinnert jedoch eher an die Italienische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni). Darüber hinaus kann sie über alle Merkmale der beiden Unterarten verfügen. (W. Wegehaupt, 2006)


Copyright © Foto: Sabine & Thomas Vinke

Auf den einzelnen Schilden befinden sich meist kontrastreiche, braune bis schwarze Zeichnungen.

Die Rippenschilde (Costalia) sind in einem nach hinten gerichteten Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen Bereich der Schilde.

2.2. Bauchpanzer (Plastron)


Copyright © Foto: Bastian Esser

Auf dem Plastron befindet sich eine längsgerichtete und dunkel gefärbte Bänderung, welche jedoch unterbrochen ist. Die Kehlschilde (Gularia) sind oft ohne Färbung. Die Zeichnungen auf den Afterschilden (Analia) sind stets von der restlichen Bänderung getrennt.

Sowohl die Zwischennaht der Brustschilde (Pectoralia), als auch die Zwischennaht der Schenkelschilde (Femoralia) kann länger/kürzer sein.

Der Plastron der Dalmatinischen Landschildkröte ist starr und weist kein Scharnier auf.

Auf jeder Seite befinden sich ein schmales Axelschild (Axillare). Hüftschilde (Inguinalia) fehlen in der Regel, sind nur einseitig vorhanden oder stark verkleinert.

2.3. Kopf (Caput)

Der Kopf der Dalmatinischen Landschildkröten weist von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Die Kopf weist eine braun-schwarze Grundfärbung auf. Eine gelbe Wangenzeichnung (Subokularfleck) ist meist vorhanden. Im Bereich des Nackens ist stets eine olivgelbe bis grünliche Färbung zu finden.

2.4. Vordergliedmaßen



Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet und mit kleinen bis mittelgroßen Hornschuppen versehen. Die Hornschuppen enthalten in der Regel die gleichen Färbungen wie die, des Panzers. D. h. helle Hornschuppen sind ebenso vorhanden wie grau-braune und schwarze Hornschuppen.
Die nach innen gerichtete (mediale) Seite ist jedoch stets heller/gelber gefärbt als die äußere (laterale) Seite.

Testudo hercegovinensis besitzt an den Vordergliedmaßen fünf Krallen, wobei die sog. Daumenkralle oft nur rudimentär ausgebildet ist oder gänzlich fehlt.

2.5. Hintergliedmaßen

Wie bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln auch die Hintergliedmaßen der Dalmatinischen Landschildkröte anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig (subtil).


Copyright © Foto: Bastian Esser

Die Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen, teils nach unten abstehenden Schuppen versehen. Der Bereich zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz ist mit vergrößerten Schuppen bedeckt.

An den Hintergliedmaßen besitzt die Dalmatinische Landschildkröte vier Krallen.

2.6. Schwanz (Cauda)


Copyright © Foto: Bastian Esser

Testudo hercegovinensis besitzt (ebenso wie Testudo hermanni) am Schwanzende einen stark verhornten Fortsatz (Schwanzendnagel), welcher besonders bei männlichen Exemplaren extrem ausgeprägt ist. Die gesamte Schwanzbasis ist bei männlichen Individuen stark bemuskelt und im Vergleich zu den Weibchen um ein Vielfaches massiger.

Hornkegel zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz (Merkmal von Testudo graeca) sind bei Testudo hercegovinensis nicht vorhanden.

2.7. Jungtiere

Jungtiere der Dalmatinischen Landschildkröte sind im Vergleich zu adulten Exemplaren noch deutlich kontrastreicher gefärbt. Sowohl die hellen, als auch die dunklen Zeichnungen setzen sich auffallend vom Rest der Färbung ab.

3. Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)

3.1. Weibchen


Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)


Insgesamt deutlich größer (15,5 - 17,5 cm) und schwerer (850 - 1100 g)
Angaben: "Natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte" von W. Wegehaupt


Copyright © Foto: Bastian Esser

Von oben gesehen: eher gleichmäßige Breite


Copyright © Foto: Bastian Esser

Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah (proximal) und kreisrund

3.2. Männchen


Copyright © Foto: Bastian Esser

Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)


Copyright © Foto: Bastian Esser

Insgesamt deutlich kleiner (14 - 16 cm) und leichter (600 - 800 g); Hintere Randschilde (Marginalia) ausladend
Angaben: "Natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte" von W. Wegehaupt


Wulstartige Ausbildung am Hinterhaupt und kräftigere Unterkiefermuskulatur


Copyright © Foto: Bastian Esser

Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler; längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern (distal) und schlitzförmig

4. Statistik/Wissenswertes

4.1. Allgemeines

WA-Status:
Washingtoner Artenschutz-übereinkommen

Anhang II (durch den internationalen Handel stark gefährdete Arten)

EU-Anhang:
EG-Verordnung 338/97

Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)

Namensherkunft:

Testudo hercegovinensis: Verbreitungsgebiet Herzegowina

Ernährung:

pflanzlich (herbivor)

Lebenserwartung:

60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)

Habitat:

Garrigue, Macchia, Grasebenen

Temperatur (max.):

40° C

Temperatur (min.):

3° C

4.2. Fortpflanzung

Hauptpaarungszeit:

Frühling (März, April)

Gelegeanzahl:

1-3 pro Jahr

Gelegegröße:

1-9 Eier pro Gelege

Dauer der Eiablage:

insg. 60-90 min

Form der Eier:

leicht oval

Größe der Eier:

33-51 mm

Gewicht der Eier:

14-24 g

Inkubationsdauer:

56-69 Tage (künstlich) bzw. 80-110 Tage (natürlich)

4.2. Winterstarre (Hibernation)

Temperatur:

4,5-6,5° C

Dauer:

3-4 Monate (je nach Herkunft)



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