|
Dalmatinische
Landschildkröte
Testudo
hercegovinensis (Werner, 1899)

Copyright
© Foto: Sabine & Thomas Vinke
Die Dalmatinische Landschildkröte
ähnelt stark ihrer griechischen Verwandten. Das
relativ isolierte Verbreitungsgebiet beschränkt
sich auf einen schmalen Streifen entlang der Adriaküste
innerhalb von Kroatien, Dalmatien und Montenegro. Testudo
hercegovinensis kann eine Größe von rund
17 cm erreichen und zählt eher zu den kleineren
Arten.
Inhaltsverzeichnis
- Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
- Erscheinungsform / Merkmale der Art (Habitus)
- Rückenpanzer (Carapax)
- Bauchpanzer (Plastron)
- Kopf (Caput)
- Vordergliedmaßen
- Hintergliedmaßen
- Schwanz (Cauda)
- Jungtiere
- Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
- Weibchen
- Männchen
- Statistik/Wissenswertes
- Allgemeines
- Fortpflanzung
- Winterstarre (Hibernation)
1.
Wissenschaftliche Einordnung der Art (Taxonomie)
 |
Klasse: |
Reptilia
(Reptilien) |
| Ordnung: |
Testudines
(Schildkröten) |
| Unterordnung: |
Cryptodira
(Halsberger) |
| Familie: |
Testudinidae
(Landschildkröten) |
| Gattung: |
Testudo
(Paläarktische Landschildkröten) |
| Art: |
Hercegovinensis
(Dalmatinische Landschildkröte) |
|
2.
Erscheinungsform / Merkmale der Art
(Habitus)
2.1.
Rückenpanzer (Carapax)

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Der
Rückenpanzer (Carapax) der Dalmatinischen
Landschildkröte ist mäßigstark bis hoch
gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale
Form auf.

Im
Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes
(Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Die
trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia)
sind mit Ausnahme des fünften Schildes etwa genauso
breit wie lang.

Das
fünfte bzw. letzte Wirbelschild (Vertebrale)
ist länger ausgebildet als die restlichen Wirbelschilde
und mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Schlüssellochzeichnung
versehen.

Das
Schwanzschild (Supracaudale) ist in den meisten
Fällen vertikal geteilt.

Die
Grundfärbung der Dalmatinischen Landschildkröte
ist mit der Färbung der Griechischen Landschildkröte
(Testudo hermanni boettgeri) vergleichbar, jedoch
geht sie bei Testudo hercegovinensis eher ins
olivfarbene. Die Formen und der Kontrast der Zeichnungen
erinnert jedoch eher an die Italienische
Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni).
Darüber hinaus kann sie über alle Merkmale
der beiden Unterarten verfügen. (W.
Wegehaupt, 2006)

Copyright
© Foto: Sabine & Thomas Vinke
Auf
den einzelnen Schilden befinden sich meist kontrastreiche,
braune bis schwarze Zeichnungen.

Die
Rippenschilde (Costalia) sind in einem nach hinten
gerichteten Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der
Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen
Bereich der Schilde.
2.2.
Bauchpanzer (Plastron)

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Auf dem Plastron befindet sich eine längsgerichtete
und dunkel gefärbte Bänderung, welche jedoch
unterbrochen ist. Die Kehlschilde (Gularia) sind
oft ohne Färbung. Die Zeichnungen auf den Afterschilden
(Analia) sind stets von der restlichen Bänderung
getrennt.
Sowohl
die Zwischennaht der Brustschilde
(Pectoralia), als auch die Zwischennaht
der Schenkelschilde (Femoralia) kann
länger/kürzer sein.
Der Plastron der Dalmatinischen Landschildkröte
ist starr und weist kein Scharnier auf.
 
Auf
jeder Seite befinden sich ein schmales Axelschild (Axillare).
Hüftschilde (Inguinalia) fehlen in der Regel,
sind nur einseitig vorhanden oder stark verkleinert.
2.3.
Kopf (Caput)

Der Kopf der Dalmatinischen Landschildkröten weist
von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche
Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Die
Kopf weist eine braun-schwarze Grundfärbung auf.
Eine gelbe Wangenzeichnung (Subokularfleck) ist
meist vorhanden. Im Bereich des Nackens ist stets eine
olivgelbe bis grünliche Färbung zu finden.
2.4.
Vordergliedmaßen

Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet
und mit kleinen bis mittelgroßen Hornschuppen
versehen. Die Hornschuppen enthalten in der Regel die
gleichen Färbungen wie die, des Panzers. D. h.
helle Hornschuppen sind ebenso vorhanden wie grau-braune
und schwarze Hornschuppen. Die
nach innen gerichtete (mediale) Seite ist jedoch
stets heller/gelber gefärbt als die äußere
(laterale) Seite.
Testudo
hercegovinensis besitzt an den Vordergliedmaßen
fünf Krallen, wobei die sog. Daumenkralle oft nur
rudimentär ausgebildet ist oder gänzlich fehlt.
2.5.
Hintergliedmaßen

Wie
bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln
auch die Hintergliedmaßen der Dalmatinischen Landschildkröte
anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen
der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig
(subtil).

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Die
Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen,
teils nach unten abstehenden Schuppen versehen. Der
Bereich zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz ist
mit vergrößerten Schuppen bedeckt.
An
den Hintergliedmaßen besitzt die Dalmatinische
Landschildkröte vier Krallen.
2.6.
Schwanz (Cauda)

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Testudo
hercegovinensis besitzt (ebenso wie Testudo hermanni)
am Schwanzende einen stark verhornten Fortsatz (Schwanzendnagel),
welcher besonders bei männlichen Exemplaren extrem
ausgeprägt ist. Die gesamte Schwanzbasis ist bei
männlichen Individuen stark bemuskelt und im Vergleich
zu den Weibchen um ein Vielfaches massiger.
Hornkegel
zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz (Merkmal von
Testudo graeca) sind bei Testudo hercegovinensis
nicht vorhanden.
2.7.
Jungtiere
Jungtiere
der Dalmatinischen Landschildkröte sind im Vergleich
zu adulten Exemplaren noch deutlich kontrastreicher
gefärbt. Sowohl
die hellen, als auch die dunklen Zeichnungen setzen
sich auffallend vom Rest der Färbung ab.
3.
Unterscheidung der Geschlechter
(Sexualdimorphismus)
3.1.
Weibchen

Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)

Insgesamt deutlich größer (15,5 - 17,5 cm)
und schwerer (850 - 1100 g)
Angaben: "Natürliche
Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte"
von W. Wegehaupt

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Von oben gesehen: eher gleichmäßige Breite

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie
lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah
(proximal) und kreisrund
3.2.
Männchen

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer
(Plastron)

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Insgesamt deutlich kleiner (14 - 16 cm) und leichter
(600 - 800 g); Hintere Randschilde (Marginalia)
ausladend
Angaben: "Natürliche
Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte"
von W. Wegehaupt

Wulstartige Ausbildung am Hinterhaupt und kräftigere
Unterkiefermuskulatur

Copyright
© Foto: Bastian Esser
Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler;
längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern
(distal) und schlitzförmig
4.
Statistik/Wissenswertes
4.1.
Allgemeines
WA-Status:
Washingtoner
Artenschutz-übereinkommen |
Anhang II (durch den internationalen Handel
stark gefährdete Arten)
|
EU-Anhang:
EG-Verordnung
338/97 |
Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten)
|
| Namensherkunft: |
Testudo hercegovinensis: Verbreitungsgebiet
Herzegowina
|
| Ernährung: |
pflanzlich (herbivor)
|
| Lebenserwartung: |
60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft)
|
| Habitat: |
Garrigue, Macchia, Grasebenen
|
| Temperatur
(max.): |
40° C
|
| Temperatur
(min.): |
3° C
|
4.2.
Fortpflanzung
| Hauptpaarungszeit: |
Frühling (März, April)
|
| Gelegeanzahl: |
1-3 pro Jahr
|
| Gelegegröße: |
1-9 Eier pro Gelege
|
| Dauer
der Eiablage: |
insg. 60-90 min
|
| Form
der Eier: |
leicht oval
|
| Größe
der Eier: |
33-51 mm
|
| Gewicht
der Eier: |
14-24 g
|
| Inkubationsdauer: |
56-69 Tage (künstlich) bzw. 80-110 Tage
(natürlich)
|
4.2.
Winterstarre (Hibernation)
| Temperatur: |
4,5-6,5° C
|
| Dauer: |
3-4 Monate (je nach Herkunft)
|
|