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Vermehrung
von Landschildkröten
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Fortpflanzungsgeschehen
Männliche
Exemplare halten schon früh morgens Ausschau nach
einem geeigneten Partner und verfolgen jede von den
Weibchen hinterlassenen Duftspuren, hastig. Dieses "Aufspüren"
kann selbst über Kilometer stattfinden, denn Schildkröten
haben einen sehr gut ausgeprägten Geruchssinn und
können sich selbst über diese Entfernungen
wittern.
Balzverhalten
- Werben um den Partner
Bevor
es zum eigentlichen Fortpflanzungsgeschehen kommt, prüfen
Landschildkröten (u. a. indem sie sich ausgiebig
beschnuppern) ob es sich um einen geeigneten Partner
handelt. Gehört das Gegenüber einer anderen
Art an, wird es im Normalfall als nicht geeignet angesehen
und nicht weiter beachtet. Dies ist in vielen Biotopen
zu beobachten, in denen sich die Verbreitungsgebiete
zweier oder mehrerer Arten überschneiden. W. Wegehaupt,
der durch seine hervorragenden feldherpetologischen
Arbeiten bekannt ist, konnte dies ebenfalls bei den
auf Sardinien heimischen Arten, bestätigen.
Dies
heißt aber nicht automatisch, dass wir bei der
Haltung beliebig viele Arten und Unterarten zusammenwürfeln
können, sondern lediglich, dass diese ähnliche
Ansprüche an ihre Umgebung stellen und deshalb
auch gemeinsam in einem Habitat vorkommen können.
Nach Wegehaupt findet bei mediterranen Landschildkröten
während des Heranwachsen eine Prägung auf
die eigene Art statt, mit der die heranwachsenden Schildkröten
später wissen, mit welcher Art sie sich vermehren
können und mit welcher nicht. Wachsen allerdings
Jungtiere verschiedener Arten miteinander auf, so kann
es zu Fehlprägungen kommen, d. h. die Tiere wissen
später nicht, welche Art als Partner geeignet ist
und welche nicht bzw. sehen auch andere Arten als geeignet
an und versuchen sich mit diesen zu paaren.
Nachdem
das Männchen die Partnerin als geeignet empfunden
hat, beginnt es damit das Weibchen zum Stehen zu bringen
und paarungswillig zu machen. Männliche Exemplare
von Testudo graeca führen die Balz mit katapultartigen
Rammstößen aus. Männchen von Testudo
hermanni und Testudo hercegovinensis hingegen
mit Bissen in die Extremitäten. Bei Testudo
marginata sind beide Varianten üblich.
Wenn
das Weibchen zum Stehen gebracht wurde, rennt das Männchen
hastig nach hinten um aufzusteigen. Doch ein gesundes
und agiles Weibchen lässt dies nicht schon beim
ersten Mal zu, sondern versucht immer wieder zu flüchten
oder das Männchen auf den Rücken zu werfen.
Das Spielchen wiederholt sich somit unzählige Male
bis das Weibchen paarungswillig ist und ruhig verweilt.
Paarungsablauf
/ Kopulation
Während
der Paarung gibt das Männchen, mit weit aufgerissenem
Maul Laute von sich, die man (je nach Art) einem Pipsgeräusch,
Pfeifgeräusch oder Stöhngeräusch zuordnen
kann, welches vermutlich durch das ruckartige Auspressen
der Luft zustande kommt.
Die
eigentliche Kopulation findet erst nach einigen "Trockenübungen"
statt. Dabei hält sich das Männchen mit seinem
langen und kräftigen Schwanznagel unter dem Panzerrand
des Weibchens fest, hebt den Panzer des Weibchens leicht
an und beginnt mit den Paarungsstößen.
Der
konkav geformte Bauchpanzer des Männchens sorgt
dafür, dass er nicht abrutscht. Doch nur wenn das
Weibchen paarungswillig ist, kann die Kopulation erfolgreich
verlaufen, denn zum Einen muss das Weibchen den Kopf
einziehen, um den Analbereich herauszustrecken und zum
anderen muss es den hinteren Teil des Panzer hochstämmen,
damit das Männchen sein Geschlechtsteil einführen
kann.
Nach
erfolgreicher Kopulation ist der Kloakenbereich beider
Geschlechtspartner mit einer schleimigen Flüssigkeit
versehen.

In
Foren
wird häufig gefragt, ob das Aufreiten bei Jungtieren
etwas über das Geschlecht des Tieres aussagt.
Sowohl
weibliche als auch männliche Jungtiere führen
untereinander kleinere Revierkämpfe und Rangeleien
aus und reiten dabei auf andere Tiere auf. Es sagt also
gar nichts über das Geschlecht des Tieres aus,
sondern ist reines Dominanzgehabe.
Trächtigkeit
und Ablage der Eier
Wie
unter "Voraussetzungen"
bereits geschrieben, findet diese bei uns auf sogenannten
Eiablagehügeln statt, die sehr gerne von den Weibchen
angenommen werden.
Kurz
vor der Ablage sind die meisten Weibchen unruhig und
fressen auch weniger als zuvor. Bei unseren Weibchen
kann man anhand einer Gewichtszunahme von 120 bis 150
g sagen, dass sie trächtig sind und in absehbarer
Zeit ihr Gelege absetzen werden.
Wenn
ein Weibchen legebereit ist, sucht es meist über
mehrere Tage nach einer geeigneten Stelle und untersucht
die Temperatur und Luftfeuchtigkeit durch schnelles
Ein- uns Ausatmen der Luft und Auflegen des Kopfes.
Die Bodenbeschaffenheit wird durch Probegrabungen überprüft
und entweder für geeignet oder ungeeignet empfunden
-> dann wird weiter gesucht.
Nachdem
das Weibchen eine geeignete Stelle gefunden hat, krallt
es sich mit den Vorderbeinen in der Erde fest, um sich
so Halt zu verschaffen.
Anschließend
fängt es mit dem Ausheben der Grube an, indem es
mit den Hinterbeinen die Erde von innen nach außen
wegschaufelt. Dieser Vorgang kann 1 bis 3 Stunden
dauern, denn erst wenn das Weibchen mit den Hinterbeinen
keine Erde mehr berührt, beginnt es mit dem Auspressen
der Eier.
Die
Eier werden in einem Abstand von 2 bis 3 Minuten gelegt.
Bei jedem Pressvorgang zieht das Weibchen zur Unterstützung
den Kopf vollständig in den Panzer ein.
Ist
ein Ei gelegt, wird es so tief wie möglich in die
Grube geschoben, damit die noch folgenden Eier nicht
darauf fallen und für diese noch genügend
Platz vorhanden ist.
Es
ist äußerst wichtig, dass Weibchen bei einem
Legevorgang nicht von anderen Tiere oder Ihnen gestört
werden, denn dies kann zum Abbruch der Legetätigkeit
führen! Die mögliche Folge -> eine Legenot,
sodass das Weibchen die Eier nicht mehr selbstständig
ablegt. Auch das Fehlen eines geeigneten Ablageplatzes
kann eine Legenot auslösen - siehe dazu auch "Krankheiten"!
Nach
dem Legevorgang wird die Grube wieder sorgfältig
verschlossen (Dauer: ca. 30 Minuten) und ein letzter
kritischer Blick auf die vollbrachte Arbeit geworfen
:)
Das
Ausheben der Grube, das Auspressen der Eier und das
Verschließen der Eigrube, ist für ein Weibchen
sehr anstrengend und kräfteraubend - da ist es
nicht verwunderlich, wenn sie nach der Ablage geschwächt
und wackelig auf den Beinen sind.
Viele
Halter wissen noch immer nicht, dass auch Weibchen,
die keinen Kontakt zu einem Männchen haben, trächtig
werden und Eier ablegen. Das heißt also, dass
alle adulten Weibchen Eier legen, egal ob befruchtet
oder unbefruchtet.
Bergung
des Geleges
Wenn
sich das Weibchen nach dem Verschließen der Grube
entfernt hat, wird diese wieder vorsichtig mit den Händen
geöffnet. Das Gelege wird Ei für Ei geborgen
und mit etwas Wasser gesäubert. Anschließend
werden die Eier in einem mit Sand gefüllten Schälchen
leicht versenkt und in den Inkubator überführt.
Die Lage der Eier wird mit einem weichen Bleistift markiert,
denn die Eier dürfen nur direkt nach der Ablage
gedreht werden, keinesfalls aber während der Inkubation,
da es sonst zum Absterben des Embryos kommt!
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