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Vermehrung
von Landschildkröten
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Inkubation
Da
bei uns bekanntlich kein mediterranes Klima herrscht,
benötigen wir für eine erfolgreiche Vermehrung
einen Brutapparat. Diesen Brutapparat, auch Inkubator
genannt, kann man auf eine gewisse Temperatur einstellen,
die für die Entwicklung des Embryos nötig
ist.
Inkubatoren
der Firma Jäger kann ich ohne Einschränkungen
an jeden Züchter weiterempfehlen: www.jaeger-bruttechnik.de
Dort
können Sie sich auch ein kostenloses Prospekt zukommen
lassen!
Neben
der Möglichkeit, die Eier in einem gekauften Inkubator
erbrüten zu lassen, besteht auch die Möglichkeit,
sich einen Inkubator selber zu bauen. Nachfolgt eine
bewährte Methode:
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Selbstbau eines Inkubators
von Thomas u. Sabine
Vinke
Zur
Erbrütung von europäischen Landschildkröten
haben wir die Idee der Aquarienmethode ein weiteres
Mal modifiziert. Nachdem sich Versuche, den Deckel
geringfügig offen zu lassen - wie es BASILE
(1989) empfiehlt - nicht bewährten, verzichteten
wir vollständig auf den Glasdeckel wie auch
auf die Tropfscheibe. Wir legten einfach ein sehr
dickes Frotteehandtuch auf den Aquarienrand auf.
Durch das Frotteehandtuch hindurch kann die Luft
zirkulieren und so bildet sich keine Staunässe
im Inkubator. Der Nachteil dieser Modifikation
ist, dass man wegen der Verdunstung regelmäßig
den Wasserstand im Inkubator überprüfen
muss. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei dieser
Methode etwa 70 %. Um eine höhere Luftfeuchtigkeit
von 80 - 85 % zu erreichen - wie sie z. B. bei
der Köhlerschildkröte nötig ist
- haben wir das Handtuch doppelt gelegt.
Quelle:
"Vermehrung von Landschildkröten"
von Thomas & Sabine Vinke, 2004 - Herpeton-Verlag
Zeichnung von E. Köhler
Neben
dieser Aquarienmethode, gibt es natürlich
noch weitere Möglichkeiten die Eier erfolgreich
auszubrüten. Eine naturnahe Methode wurde
im Mai 2006 in der Zeitschrift "Schildkröten
im Fokus" mit dem Titel "Naturnahes
Brüten - ein gelungenes Experiment"
von Dorothee Backes veröffentlicht. In dem
Artikel wird berichtet, dass ein Gelege auch
in einer Styroporbox
inkubiert werden kann. Und zwar findet diese Inkubation
im Gewächshaus ohne jegliche Technik statt
- nur die wärmende Sonne führt zu erhöhten
Temperaturen. Wie in der Natur auch, war das Gelege
so extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt.
Laut D. Backes schwankte die Temperatur zwischen
13 und 42°C, was einen Mittelwert von 27,5°C
macht. Wie die Geschlechterverteilung dieses Geleges
aussieht, ist abzuwarten, aber was D. Backes beobachten
konnte, ist, dass alle Schlüpflinge schon
mit dunkler Zeichnung geschlüpft sind und
sehr gleichmäßig wachsen.
Es
spricht vieles dafür, dass eine solche Methode
besser für die Schlüpflinge sein müsste,
denn in einem Inkubator ist die Temperatur sehr
konstant hoch, was immer zu einem früheren
Schlupf führt, als es in der Natur der Fall
wäre. Nun kann man sich sicherlich viele
Fragen stellen: Sind die Tiere trotz der verkürzten
Schlupfzeit im Inkubator vollständig entwickelt?
Fehlt ihnen vielleicht etwas? Sind deswegen häufig
Ausfälle zu beobachten? Haben die Anomalien
auch etwas mit der konstanten Temperatur zu tun?
All diese Fragen und noch weitere werden wohl
erst in einigen Jahren zu beantworten sein...
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Embryonale
Entwicklung im Ei

Ausschnitt aus dem
Buch "Inkubation von Reptilieneiern" von
Gunther Köhler |
Der
sich entwickelnde Embryo wird durch die Eihülle
vor Austrocknung geschützt. Der Dotter ernährt
den Embryo, die Allantois fungiert als Harnsack und
Atmungsorgan.
Schildkröten-Eier
dürfen während der Inkubation nicht gedreht
werden, weil sonst der sich entwickelnde Embryo unter
den Dottersack geraten kann und dadurch absterben würde.
Brutbehälter
und Substrat
Die
zuvor gesäuberten Eier liegen in mit Vogelsand
gefüllten Schälchen und sind darin nur leicht
versenkt.
Man
kann so jederzeit den Zustand der Eier überprüfen
und abgestorbene Eier oder Schimmel schnell erkennen
und entsprechend handeln. Ein verfaultes Ei ist nur
schwer zu überriechen und sollte sofort entsorgt
werden. Schimmel ist großflächig zu entfernen
und die betroffene Stelle mit etwas Essig zu desinfizieren.
Befruchtet
oder unbefruchtet?
Viele
Halter sind sich bei den ersten Gelegen nicht sicher,
ob die Eier überhaupt befruchtet sind, obwohl man
dies relativ einfach erkennen kann. Befruchtete Eier
entwickeln bereits nach zwei Tagen im Inkubator eine
weiße Binde auf der oberen Fläche, welche
sich in den nächsten Tagen immer weiter ausbreitet
und schließlich das gesamte Ei noch weißer
erscheinen lässt. Ist diese Entwicklung nicht zu
beobachten, ist das Ei mit hoher Wahrscheinlichkeit
nicht befruchtet.
Temperatur
und Luftfeuchtigkeit
Das
Geschlecht wird bei Schildkröten von der Temperatur
während der Inkubation bestimmt. Die sogenannte
Scheitelpunkttemperatur ist die Schwelle, bei der sich
gleich viele männliche und weibliche Tiere entwickeln.
Alle Temperaturen, die darüber bzw. darunter liegen,
führen dazu, dass sich vermehrt weibliche bzw.
männliche Tiere entwickeln.
Die
Scheitelpunkttemperatur ist bei jeder Art, Unterart
und sogar bei jeder Lokalform einer Unterart verschieden,
sodass man diese nicht verallgemeinern kann. Man kann
allerdings sagen, dass sie bei mediterranen Landschildkröten
knapp über der 30°C-Marke liegt.
Mein
Inkubator wird wie folgt gesteuert::
16
Std. bei 33°C (tagsüber)
8 Std. bei 32°C (nachts)
Damit
habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Das heißt
eine Schlupfrate von 99% und fast ausschließlich
weibliche Tiere.
Die
Luftfeuchtigkeit liegt stets zwischen 70 und 85 % und
wird mit zusätzlichen Wasserbehältern im Inkubator
konstant gehalten. Nachts ist sie durch die herabgesetzte
Heizung höher als tagsüber.
Dauer
der Inkubation
Mediterrane
Landschildkröten schlüpfen (wenn die
Eier künstlich inkubiert werden) in einer Zeitspanne
von 50-70 Tagen.
Im
Vergleich: In der Natur dauert es etwa 80-110 Tage
- der Grund für diesen "Frühschlupf"
im Inkubator hängt damit zusammen, dass die Bruttemperatur
während der gesamten Inkubation konstant hoch liegt,
was alles andere als natürlich ist. Im natürlichen
Lebensraum schwanken die Temperaturen z. T. enorm (15-45°C),
was die Entwicklung verzögert.
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