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Stand: 14.08.2009

Vermehrung von Landschildkröten

» Inkubation

Da bei uns bekanntlich kein mediterranes Klima herrscht, benötigen wir für eine erfolgreiche Vermehrung einen Brutapparat. Diesen Brutapparat, auch Inkubator genannt, kann man auf eine gewisse Temperatur einstellen, die für die Entwicklung des Embryos nötig ist.

Kunstglucke FB 50 - Reptilien (Firma Jäger)
Kunstglucke FB 80 - Reptilien (Firma Jäger)

Inkubatoren der Firma Jäger kann ich ohne Einschränkungen an jeden Züchter weiterempfehlen: www.jaeger-bruttechnik.de

Dort können Sie sich auch ein kostenloses Prospekt zukommen lassen!

Neben der Möglichkeit, die Eier in einem gekauften Inkubator erbrüten zu lassen, besteht auch die Möglichkeit, sich einen Inkubator selber zu bauen. Nachfolgt eine bewährte Methode:

Selbstbau eines Inkubators
von Thomas u. Sabine Vinke
Auch ein selbstgebauter Inkubator eignet sich für die Zucht

Zur Erbrütung von europäischen Landschildkröten haben wir die Idee der Aquarienmethode ein weiteres Mal modifiziert. Nachdem sich Versuche, den Deckel geringfügig offen zu lassen - wie es BASILE (1989) empfiehlt - nicht bewährten, verzichteten wir vollständig auf den Glasdeckel wie auch auf die Tropfscheibe. Wir legten einfach ein sehr dickes Frotteehandtuch auf den Aquarienrand auf. Durch das Frotteehandtuch hindurch kann die Luft zirkulieren und so bildet sich keine Staunässe im Inkubator. Der Nachteil dieser Modifikation ist, dass man wegen der Verdunstung regelmäßig den Wasserstand im Inkubator überprüfen muss. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei dieser Methode etwa 70 %. Um eine höhere Luftfeuchtigkeit von 80 - 85 % zu erreichen - wie sie z. B. bei der Köhlerschildkröte nötig ist - haben wir das Handtuch doppelt gelegt.

Quelle: "Vermehrung von Landschildkröten" von Thomas & Sabine Vinke, 2004 - Herpeton-Verlag
Zeichnung von E. Köhler

Neben dieser Aquarienmethode, gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten die Eier erfolgreich auszubrüten. Eine naturnahe Methode wurde im Mai 2006 in der Zeitschrift "Schildkröten im Fokus" mit dem Titel "Naturnahes Brüten - ein gelungenes Experiment" von Dorothee Backes veröffentlicht. In dem Artikel wird berichtet, dass ein Gelege auch in einer Styroporbox inkubiert werden kann. Und zwar findet diese Inkubation im Gewächshaus ohne jegliche Technik statt - nur die wärmende Sonne führt zu erhöhten Temperaturen. Wie in der Natur auch, war das Gelege so extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Laut D. Backes schwankte die Temperatur zwischen 13 und 42°C, was einen Mittelwert von 27,5°C macht. Wie die Geschlechterverteilung dieses Geleges aussieht, ist abzuwarten, aber was D. Backes beobachten konnte, ist, dass alle Schlüpflinge schon mit dunkler Zeichnung geschlüpft sind und sehr gleichmäßig wachsen.

Es spricht vieles dafür, dass eine solche Methode besser für die Schlüpflinge sein müsste, denn in einem Inkubator ist die Temperatur sehr konstant hoch, was immer zu einem früheren Schlupf führt, als es in der Natur der Fall wäre. Nun kann man sich sicherlich viele Fragen stellen: Sind die Tiere trotz der verkürzten Schlupfzeit im Inkubator vollständig entwickelt? Fehlt ihnen vielleicht etwas? Sind deswegen häufig Ausfälle zu beobachten? Haben die Anomalien auch etwas mit der konstanten Temperatur zu tun? All diese Fragen und noch weitere werden wohl erst in einigen Jahren zu beantworten sein...

Embryonale Entwicklung im Ei

Embryonale Entwicklung im Ei
Ausschnitt aus dem Buch "Inkubation von Reptilieneiern" von Gunther Köhler

Der sich entwickelnde Embryo wird durch die Eihülle vor Austrocknung geschützt. Der Dotter ernährt den Embryo, die Allantois fungiert als Harnsack und Atmungsorgan.

Schildkröten-Eier dürfen während der Inkubation nicht gedreht werden, weil sonst der sich entwickelnde Embryo unter den Dottersack geraten kann und dadurch absterben würde.

Brutbehälter und Substrat

Die Eier im Inkubator sollten regelmäßig überprüft werden
Die Kreuze markieren die nach oben zeigende Seite

Die zuvor gesäuberten Eier liegen in mit Vogelsand gefüllten Schälchen und sind darin nur leicht versenkt.

Man kann so jederzeit den Zustand der Eier überprüfen und abgestorbene Eier oder Schimmel schnell erkennen und entsprechend handeln. Ein verfaultes Ei ist nur schwer zu überriechen und sollte sofort entsorgt werden. Schimmel ist großflächig zu entfernen und die betroffene Stelle mit etwas Essig zu desinfizieren.

Befruchtet oder unbefruchtet?

Ist das Ei befruchtet, zeigt sich nach wenigen Tagen ein weißer Fleck
Der weiße Fleck breitet sich immer weiter in dem Ei aus

Viele Halter sind sich bei den ersten Gelegen nicht sicher, ob die Eier überhaupt befruchtet sind, obwohl man dies relativ einfach erkennen kann. Befruchtete Eier entwickeln bereits nach zwei Tagen im Inkubator eine weiße Binde auf der oberen Fläche, welche sich in den nächsten Tagen immer weiter ausbreitet und schließlich das gesamte Ei noch weißer erscheinen lässt. Ist diese Entwicklung nicht zu beobachten, ist das Ei mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht befruchtet.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Das Geschlecht wird bei Schildkröten von der Temperatur während der Inkubation bestimmt. Die sogenannte Scheitelpunkttemperatur ist die Schwelle, bei der sich gleich viele männliche und weibliche Tiere entwickeln. Alle Temperaturen, die darüber bzw. darunter liegen, führen dazu, dass sich vermehrt weibliche bzw. männliche Tiere entwickeln.

Die Scheitelpunkttemperatur ist bei jeder Art, Unterart und sogar bei jeder Lokalform einer Unterart verschieden, sodass man diese nicht verallgemeinern kann. Man kann allerdings sagen, dass sie bei mediterranen Landschildkröten knapp über der 30°C-Marke liegt.

Mein Inkubator wird wie folgt gesteuert::

16 Std. bei 33°C (tagsüber)
8 Std. bei 32°C (nachts)

Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Das heißt eine Schlupfrate von 99% und fast ausschließlich weibliche Tiere.

Die Luftfeuchtigkeit liegt stets zwischen 70 und 85 % und wird mit zusätzlichen Wasserbehältern im Inkubator konstant gehalten. Nachts ist sie durch die herabgesetzte Heizung höher als tagsüber.

Dauer der Inkubation

Mediterrane Landschildkröten schlüpfen (wenn die Eier künstlich inkubiert werden) in einer Zeitspanne von 50-70 Tagen.

Im Vergleich: In der Natur dauert es etwa 80-110 Tage - der Grund für diesen "Frühschlupf" im Inkubator hängt damit zusammen, dass die Bruttemperatur während der gesamten Inkubation konstant hoch liegt, was alles andere als natürlich ist. Im natürlichen Lebensraum schwanken die Temperaturen z. T. enorm (15-45°C), was die Entwicklung verzögert.



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