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Stand: 14.08.2009

Vermehrung von Landschildkröten

» Schlupf der Jungtiere

Der Schlupf ist immer wieder ein schönen und zugleich faszinierendes Ereignis. Innerhalb von nur 2 Monaten entwickelt sich eine fix und fertige Schildkröte im Ei, welche mit allem ausgestattet ist, was sie zum Überleben benötigt. Eine Brutpflege oder gar Aufzucht durch das Muttertier findet in keiner Weise statt.

Beginn des Schlupfes einer Griechischen Landschildkröten
Nach 1-2 Tage Ruhepause geht der Schlupf in die heiße Phase

Beim Schlupf wird als erstes, mit der über der Nase befindlichen "Eischwiele", ein kleines Loch in die Eischale geritzt. Nach einer Verschnaufpause, die bis zu 2 Tage andauern kann und in der sich der Dottersack in das Tier zurückzieht, beginnt der Schlüpfling das Loch so zu vergrößern, damit er sich mit Hilfe der Vorderbeine aus dem Ei befreien kann.

Wenn es aufgebrochen ist, legt der Schlüpfling meist erneut eine Pause ein um sich von dem anstrengenden Akt zu erholen. Diese kann wieder Tage andauern. In der Natur verbleiben die Schlüpflinge noch Tage in ihrer Eihöhle, um sich schließlich alle gemeinsam -meist nach einem Regenguss- an die Oberfläche zu graben.

Sind die Vordergliedmaßen erst einmal draußen, geht es schnell voran
Die eiförmige Form des Panzers gibt sich nach wenigen Tagen

Erst danach fängt der Schlüpfling an, die ersten Zentimeter zu laufen um sich schnell in Sicherheit zu bringen, denn in der Natur wäre er ein gefundenes Fressen für allerlei Tiere. Von oben betrachtet haben die frisch geschlüpften Tiere logischerweise noch die ovale Form des Eies.

Eine offene Bauchdecke ist ein ideales Nährmedium für Keime
Bei richtiger Pflege schließt sich die Öffnung rasch

Schlüpft ein Exemplar durch irgendwelche Gründe etwas zu früh, ist der an der Bauchdecke hängende Dottersack noch deutlich zu erkennen. Das rechte Bild zeigt einen Schlüpfling, bei dem der Dottersack schon bis auf ein Minimum eingezogen ist - so ist es beim Schlupf die Regel. Diese Stelle muss besonders sauber gehalten werden, damit es zu keiner Infektion kommt. Wir säubern und desinfizieren (jodhaltige Salbe) diese Stelle regelmäßig, bis sie vollständig verschlossen ist.

Panzeranomalien (Fehlbildung von Schilden)

Panzeranomalien treten selbst in der Natur hin und wieder auf
Maurische Landschildkröte mit Anomalien der Vertebralschilde

Panzeranomalien entstehen in der Regel durch zu hohe Temperaturen oder Störungen während der Inkubation und sind -wenn sie nur leicht ausgeprägt sind- nicht gefährlich, sondern reine Schönheitsfehler. Trotzdem sollte man natürlich versuchen, die Temperaturen beim nächsten Mal etwas herunterzufahren oder eine Nachtabsenkung zu betreiben bzw. Störungen zu unterlassen. Es gibt auch schwerwiegendere Anomalien, die sich nicht nur auf die Hornschilde beziehen, sondern auch Gliedmaßen oder Organe betreffen können.

Der gemeinsame Dottersack muss getrennt werden
© Foto: Bettina Schwarz

Das plötzliche Absterben des Fötus ist eine unschöne Sache
Foto: Dorothee Backes

Es ist selten aber möglich, dass zwei Schildkröten aus einem Ei schlüpfen. Die Zwillinge teilen sich -wie auf dem linken Bild zusehen- jedoch nur einen Dottersack. Dieser muss nach kurzer Zeit abgebunden und getrennt werden, da sich die Kleinen ansonsten gegenseitig einziehen würden. Wenn ein Tier deutlich größer ist als das andere, steht die Chance gut, dass das größere durchkommt.

Leider gibt es auch traurige Momente wie das rechte Bild eines abgestorbenen Schlüpflings zeigt. Die häufigsten Ursachen sind zu hohe Bruttemperaturen, Durchleuchten der Eier, falsches Brutsubstrat (falsche Anwendung), krankes Muttertier etc. Eine Durchleuchtung der Eier -zur Kontrolle der Entwicklung- ist zwar interessant, kann aber auch einen Frühschlupf auslösen und sollte daher im letzten Drittel der Inkubation nicht mehr durchgeführt werden!

Versorgung der Schlüpflinge

Wenn eine Schildkröte komplett geschlüpft ist, ruht sie sich meist erst einige Stunden aus. Wir belassen sie daher noch 12 - 24 Std. im Inkubator, bis sie anfängt neugierig herumzulaufen und raus will. Danach wird der Schlüpfling für etwa 5 Minuten lauwarm gebadet, damit er seinen Wasserhaushalt regulieren kann.



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